Philosophie – was ist das überhaupt?

„Wie viel Zeit haben wir noch?“, fragt der Kapitän der zurückliegenden Fußballmannschaft seinen Trainer. „Wie lässt sich Zeit messen?“, fragt der Physiker. „Was ist Zeit?“, fragt der Philosoph.

Dieses Beispiel kann vielleicht eine Idee davon vermitteln, was Philosophie ist, oder genauer: mit welcher Art von Fragen sich Philosophierende beschäftigen.
Es sind Fragen, die sich auf ganz grundlegende Weise mit der Welt und dem Dasein des Menschen in ihr auseinandersetzen und auf die andere Wissenschaften keine Antworten liefern.
So befassen sich beispielsweise Biologie und Medizin mit dem Bau und der Funktionsweise des menschlichen Körpers; Ethnologie und Soziologie analysieren die verschiedenen Formen menschlicher Gesellschaften. Die Philosophie aber fragt: Was ist der Mensch? Was sind die wesentlichen Eigenschaften, die ihn – und nur ihn – auszeichnen? Und gibt es so etwas wie „das Wesen“ oder „die Natur“ des Menschen überhaupt?

Die Tätigkeit des Philosophierens lässt sich demnach beschreiben als das methodisch geleitete Nachdenken über fundamentale Fragen des Menschseins, die aus dem Staunen darüber erwachsen, dass etwas so ist, wie es ist.
In ihrem Bemühen, Antworten zu finden, versuchen Philosophen nun vor allem, Ordnung und Klarheit in unsere Begriffe zu bringen, mit denen wir über die Welt nachdenken und mit deren Hilfe wir die Erscheinungen der Welt gliedern und strukturieren. Das bedeutet, Philosophen denken mindestens ebenso viel über das Nachdenken nach wie über die Welt selbst.
Dabei stellen sie häufig gängige Meinungen und Denkgewohnheiten in Frage und werfen auch liebgewonnene Überzeugungen über Bord, wenn sie einer genaueren rationalen Prüfung nicht standhalten.
Umgekehrt gehört es zu den Wesenszügen der Philosophie, dass sie auf ihrer Suche nach Antworten selber nur selten zu endgültigen, ein für alle Mal feststehenden Ergebnissen gelangt. Der Philosoph Karl Jaspers hat diese Eigenschaft der Philosophie einmal prägnant zusammengefasst: „Das Suchen der Wahrheit, nicht der Besitz der Wahrheit ist das Wesen der Philosophie. [...] Philosophie heißt: auf dem Wege sein. Ihre Fragen sind wesentlicher als ihre Antworten, und jede Antwort wird zur neuen Frage.“

Was erwartet mich im Fach Philosophie?

Die Beschäftigung mit philosophischen Fragestellungen erfolgt im Unterricht nach Vorgabe der Richtlinien und Lehrpläne methodisch und systematisch strukturiert. Einen wesentlichen Stellenwert nimmt dabei die Auseinandersetzung mit den Positionen wichtiger Autoren der Philosophiegeschichte ein, deren Schriften – in Auszügen - als Ausgangspunkt für das eigene kritische Denken und für themenbezogene Diskussionen fruchtbar gemacht werden. Solche Diskussionen finden nicht auf der Basis rein persönlicher Meinungen und Wertungen statt: Ausschlaggebend ist dabei immer die Kraft des besseren Arguments. Letztlich geht es hier nicht darum, am Ende Recht gehabt zu haben, sondern darum, seine Auffassung zu einer Frage besser als vorher begründen zu können.
Der Philosophieunterricht schult auf diese Weise nicht nur die Fähigkeit zur klaren und logisch stringenten Argumentation, sondern trägt auch zur Förderung der Kompetenz im Umgang mit Texten bei.
Wer Spaß am eigenständigen Nachdenken hat, Diskussionsfreude mitbringt und Textarbeit nicht scheut, ist also im Fach Philosophie richtig aufgehoben.