"Nostine Latine?"

Der Lateinunterricht bietet (unter vielem anderen):

  • einen direkten und überschaubaren Zugang zu einer Grammatik, die für das Deutsche, aber auch für viele andere Sprachsysteme ganz neue Zugriffsmöglichkeiten
  • bietet die Möglichkeit, die deutsche Sprache bewusster zu erleben und anzuwenden
  • den Schlüssel zum Erlernen nicht nur der romanischen Fremdsprachen, wie des Französischen, des Spanischen, des Portugiesischen, des Italienischen usw., sondern auch...
  • den Schlüssel zum tieferen Verständnis der englischen Sprache, und hier vor allem des englischen Wortschatzes
  • die besten Voraussetzungen zum Erlernen wissenschaftlichen Vorgehens
  • einen bequemen Weg, sich lästige Zusatzprüfungen an Universitäten zu ersparen.

Liebe Eltern !

„Der Griff zum Buch ist nicht mehr alltäglich."

„Nur noch 6 Prozent der Deutschen lesen in einem Buch."

„Besonders bei jüngeren Lesern ist festzustellen, dass angefangene Texte nicht mehr bis zum Ende gelesen werden."

„45 % der Befragten - und das sind vor allem die Jüngeren - lesen garnicht, kaum oder wenig."

So oder so ähnlich sehen die Resultate einer Untersuchung aus, die 2530 Personen ab 14 Jahren Ende des Jahres 2000 nach ihrem Leseverhalten fragte. Im Vergleich zum Jahr 1992 - hier fand eine ähnlich gelagerte Untersuchung statt - hat sich das Leseverhalten dramatisch verändert: Sogar die Lesefähigkeit ist demnach bei einem großen Prozentsatz der betroffenen Personen in Frage zu stellen. Der Geschäftsführer der Stiftung Lesen, Professor Klaus Ring, hält diese Entwicklung für besorgniserregend: Lesefähigkeit und Lesepraxis seien „unabdingbare Voraussetzung, um in einer multimedialen Gesellschaft mitzuhalten."

(Informationen nach: General Anzeiger Bonn vom 24.11.2000)

Sie werden fragen, liebe Eltern:

Was hat das mit Latein zu tun ?

Wir meinen: Eine ganze Menge. Und das möchten wir Ihnen kurz erläutern.

1. Während bei der Erlernung der modernen Fremdsprachen Englisch und Französisch darauf Wert gelegt wird dem Schüler fertig formulierte Sprachmuster zu vermitteln, damit er möglichst fließend und ohne lange nachzudenken den entsprechenden Gedanken zu Wort bringt, kommt es im Lateinischen darauf an, sich intensiv und konzentriert mit der Sprache, und das heißt im Lateinischen, mit dem gedruckten Satz im Buch auseinanderzusetzen. Bevor er zu einer guten und richtigen deutschen Übersetzung kommen kann, muss der Schüler analysieren, überlegen, abwägen.

2. Denn lateinische Vokabeln und Grammatikkonstruktionen beinhalten oft mehrere, teilweise stark voneinander abweichende Bedeutungen und Übersetzungsmöglichkeiten, die nur aus dem Satz- oder Textzusammenhang richtig zu erschließen sind.
So überdenkt der Schüler seine Lösung, sucht oft vielleicht nach einer sprachlich stimmigeren. Er dringt tief in die fremde Sprache ein und gewinnt dadurch auch einen tieferen Einblick in seine Muttersprache Deutsch. So wird die Vervollkommnung muttersprachlicher Kompetenz durch das Lateinische gefördert; sprachliche Mängel können ausgeglichen, sprachliche Fähigkeiten ausgebaut werden.
Das gilt übrigens nicht nur fürs Deutsche, sondern auch fürs Englische: mehr als 50 % des englischen Wortschatzes sind aus dem Lateinischen ableitbar.

3. Das Lateinische fördert - aufs Ganze gesehen - die genaue Beobachtung, da im Lateinischen die Zuordnung eines Wortes /einer Wortgruppe von Ausgängen und Endungen abhängig ist.
Genaues Beobachten überwindet den Konzentrationsmangel. Wichtig in einer Zeit, in der Unkonzentriertheit heute ein Problem vieler Kinder ist.

4. Die Beschäftigung mit der lateinischen Sprache fördert gleichzeitig mit der Konzentrationsfähigkeit auch das logische Denken, indem sie ständig dazu auffordert, sich Rechenschaft zu geben über die oben genannten Zuordnungen. Wer aber logisch denken lernt, der hat die besten Voraussetzungen später einmal auch wissenschaftliches Denken praktizieren zu können.
Dies aber ist eine gute Vorübung für das Lernen und Arbeiten in der Oberstufe, später (vielleicht) auch für das Studium an einer Universität.

5. Mit der Grundkenntnis des Lateinischen lassen sich Fremdsprachen besser erlernen, vor allem auf Grund ihrer engen Verwandtschaft besonders die romanischen Sprachen, aber auch das Englische.

6. Latein ist wegen der genannten Vorzüge für viele Studiengänge unentbehrlich und auch an den Universitäten vielerorts gefordert.
Wer das sogenannte Latinum nicht in der Schule erworben hat, muss es mühsam an der Universität in einem Intensivkurs nachholen.

7. Moderne Lehrbücher - und wir am Städtischen Gymnasium verwenden ein solches - vermitteln neben Vokabeln und Grammatik auch einen tiefen Einblick in Vorstellungen und Denkweise der Römer, in nahezu alle Bereiche römischen Lebens.
Das aber fördert das kritische Denken, denn:
Indem der Schüler sich z.B. mit der „res publica Romana" oder mit dem Wahlsystem der Römer auseinandersetzt, lernt er, wie grundsätzlich unterschiedlich dasselbe Wort inhaltlich sein kann. Er lernt also Vorstellungen der Römer mit seinen eigenen zu vergleichen, sie einander gegenüberzustellen.
Das kritische Denken aber ist eine unerlässlich Kompetenz im Bereich dessen, was besonders die höhere Schule vermitteln soll.

8. Schließlich muss noch mit einem Vorurteil aufgeräumt werden. Oft heißt es, Latein sei ein Pauk- oder reines Lernfach. Das ist grundsätzlich falsch.
Zwar hängt Erfolg oder Misserfolg nicht nur im Fach Latein von der Bereitschaft oder Fähigkeit des Schülers ab im Unterricht mitzumachen und seine Hausaufgaben zu machen, sich also ständig weiterzubilden.
Doch muss das nicht in Form sturen Auswendiglernens oder auch Paukens geschehen. Die genannten ständig praktizierten Tätigkeiten des Überprüfens, des Vergleichens, des Auswählens fördern selbständiges und eigenverantwortliches Lernen. So lernt der Schüler kreativ mit Sprache umzugehen.

9. Zum Schluss das Wichtigste:
- Latein ist einfach, einfacher als Französisch
- Man kann es in kurzer Zeit ziemlich umfassend lernen: Nach 2 ½ Jahren kann man schon beginnen Original-Lektüren zu lesen.
- Man braucht weniger Vokabeln zur Übersetzung der gängigen Texte als man denkt: Mit ungefähr 900 Vokabeln versteht man schon einen Caesar-Text.

Also: in Klasse 9 als 3. Fremdsprache Latein!!!

Denken Sie, liebe Eltern, bitte daran, Sie mit dieser Wahl Ihrem Kind in den Fächern Deutsch, Englisch und Französisch helfen können.

Im Auftrage der Fachschaft Latein am Städtischen Gymnasium Rheinbach
Bert Merzbach

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