In diesem Jahr fand vom 30.10. – 1.11.2015 ein dreitägiges Seminar des „Rotary Clubs“ in Geisa/Thüringen statt, bei dem Schüler aus allen Regionen Deutschlands vertreten waren. Dies geschah im Zuge der 25-jährigen Wiedervereinigung Deutschlands, die für „Rotary International“ ein besonderes Symbolereignis ist, weil sich diese Organisation mit vielen verschiedenen gemeinnützigen Projekten für humanitäre Dienste, Frieden und Völkerverständigung einsetzt. Auch aus unserer Schule reisten zwei Schüler nach Geisa zur „Point Alpha Akademie“: Franzisca Esser und ich selbst, Leon Schwalb aus dem Leistungskurs Geschichte der Jahrgangsstufe 11. Man suchte sich diesen Ort für das Seminar aus, da sich dort ein ehemaliges Sperrgebiet, an dem sich Ost- und Westblock direkt gegenüberstanden, befand.

 Nach einer vierstündigen Anreise erreichten wir gegen Mittag den Hauptbahnhof Fulda, wo wir erstmals die anderen „Rotarier“ trafen, die aus sämtlichen Regionen Deutschlands angereist waren. Mit dem Bus ging es dann weiter zu besagter Akademie, in der wir von den beiden Seminarleitern mit einem köstlichen Mittagessen empfangen wurden. Nach einer recht kurzen Begrüßungsrede blieb nicht viel Zeit, um sich von der Reise auszuruhen, da wir ein umfangreiches Programm mit strengem Zeitplan zu absolvieren hatten. Der erste Punkt war eine Besichtigung des eigentlichen „Point Alphas“, der heute ein Museum ist, welches sich mit der DDR und deren Auflösung befasst. Hier bekamen wir einen kompakten Einblick in die damaligen Situation sowie eine Auffrischung unseres geschichtlichen Basiswissens. Außerdem besichtigten wir den Grenzzaun, der früher West- von Ostdeutschland getrennt hatte.

Am nächsten Tag sollte es sogar noch interessanter werden, da drei Zeitzeugengespräche auf dem Programm standen, von denen mir besonders die ersten Beiden in Erinnerung geblieben sind. Zum einen trafen wir auf einen Herrn, der durch das berüchtigte Minenfeld aus der DDR in den Westen geflüchtet war. Beeindruckend hieran ist, dass es purer Zufall war, dass er überlebte und er eindringlich berichtete, dass er beim Fluchtversuch lieber gestorben als schwer verletzt worden wäre. Zum anderen sprachen wir mit einer Dame, die in der DDR gelebt hatte und zwangsumgesiedelt wurde, was – laut Ihrem Bericht - einzig und allein den Zweck hatte, die Macht der Stasi zu demonstrieren. Nicht nur die Tatsache, dass ihrer Familie kein Grund für die Umsiedlung genannt wurde ist erschreckend, sondern auch, dass sie bis heute nicht für ihr Eigentum, das gänzlich beschlagnahmt wurde, entschädigt wurde. Diese Gespräche waren eine sehr interessante Erfahrung da es etwas völlig anderes ist, mit einer Person zu sprechen, die die damaligen Schrecken am eigenen Leib erfahren hat, als davon in einem Schulbuch zu lesen.

Am letzten Tag wurden wir in Arbeitsgruppen eingeteilt, die ihre Erfahrungen aus den letzten beiden Tagen in Form von Presseartikeln, Kurzfilmen, Karikaturen und Ähnlichem präsentierten. Nach einem Abschiedsessen machten wir uns dann auf den Rückweg nach Fulda, wo wir uns voneinander verabschieden mussten, da sich hier die Wege der Gruppenmitglieder trennten.

Alles in Allem bin sowohl ich als auch Franzisca froh, dass wir uns für die Reise zum Seminar entschieden haben, weil es eine einmalige Erfahrung war, bei der wir viel dazugelernt haben und auch der Spaß nicht zu kurz gekommen ist.