Am Montag, den 9. November 2015 machten wir, die Klasse 7c, eine Exkursion mit unserer Chemie- und Klassenlehrerin, Frau Dr. Breitbach, zur Grafschafter Krautfabrik. Erbaut wurde diese im Jahre 1893 von Josef Schmitz. Zunächst wurden dort rot-braune Feldbrandziegel hergestellt und in der Region zum Hausbau verwandt. 1995 wurde dieser Geschäftszweig eingestellt. Die Produktion von Zuckerrübensirup nahm hingegen 1904 ihren Anfang, zunächst als Gelegenheitsbeschäftigung für die Arbeiter in den Wintermonaten. Der Verkauf des Sirups war zunehmend erfolgreich, so dass die Fabrik stetig expandierte.

 

Schon als wir an der Rübenkrautfabrik in Meckenheim ankamen, stellten wir fest, dass die Rübenkampagne, die im September beginnt und bis weit in den Dezember hinein andauert, in vollem Gange war. Ein Traktor nach dem anderen rollte durch den Eingang der Fabrik, vollbeladen mit Zuckerrüben und Äpfeln. Damit nicht der gesamte Straßenverkehr in Meckenheim zum Erliegen kommt, liefern die Landwirte die Rüben nach ausgetüftelten Zeitplänen an. In der Spitzenzeit sind bis zu 140 Mitarbeiter mit der Verarbeitung und dem Vertrieb des goldbraunen Sirups beschäftigt. Unverkennbar rochen wir die gekochten Zuckerrüben überall auf dem Gelände und in der Umgebung.

krautfabrik-2015Wir wurden freundlich von einer Mitarbeiterin empfangen, die uns in die Produktion einwies.

Zunächst erklärte und zeigte sie uns, dass die Traktoren auf eine riesige Waage gefahren werden. Dort wird das Gesamtgewicht von Traktor, Anhänger und Ladung ermittelt. Hiervon wird beim Verlassen des Fabrikgeländes das Gewicht des Gespanns in Abzug gebracht, um die Menge der Rüben feststellen zu können, die sich auf ca. 12.000 Tonnen jährlich beläuft.

Eine Probenkiste mit ein paar Rüben geht vorab ins Labor, um den konkreten Zuckergehalt zu bestimmen. Denn der Preis, den der Landwirt erhält, wird nicht nur nach Menge der abgelieferten Rüben, sondern auch nach der Höhe des Zuckergehalts berechnet. Ein erfahrener Schmutzschätzer begutachtet die Früchte nach ihrem Anteil an Erdanhaftungen. Je stärker verschmutzt die Rohstoffe sind, desto mehr wird von der Gesamtmenge an Gewicht abgezogen und desto weniger Geld und mehr Resterde geht an den Bauern.

Traktor und Anhänger, in dem die Rüben lagern, werden danach unter gewaltigem Lärm von einer Heberampe gekippt, so dass die Rüben auf ein Förderband rollen. Dieses wackelt so stark, dass die meiste Erde abfällt. Die Früchte werden anschließend über Bänder in eine Waschstraße befördert. Dies ist eine Schwemmrinne, die mit Wasser gefüllt ist. Die Rüben sind gerade so leicht, dass sie darin weiterschwimmen können.

Nun kommen die unglaublichen Rübenmengen in die Waschanlage, wo sie äußerlich gereinigt werden. Nach der Reinigung werden sie vom Rübenbunker in eine Schneidemaschine transportiert und in fingergroße Rübenschnitzel zerkleinert. Die Schnitzel werden schließlich in einem Maischebehälter zwölf bis dreizehn Stunden lang gekocht und unter hohem hydraulischen Druck gepresst.

Die übrig gebliebene Masse wird als Viehfutter verkauft. Wir durften dieses Abfallprodukt probieren, aber es schmeckte nach schmierigen, vergammelten Blättern.

 

Eher waren wir da an dem verbliebenen Rohsaft interessiert, der in einem weiteren Prozess zu Sirup eingekocht wird. Damit entstehen aus 600 Tonnen Rüben 150 Tonnen „Grafschafter Goldsaft“, besser als Rübenkraut bekannt.

Wie gut der schmeckt, durften wir zum Schluss selbst verkosten. Für alle gab es frische Brötchen mit Rübenkraut und den vielen weiteren Spezialitäten aus Zuckerrüben, Äpfeln und Birnen. Insbesondere die besondere Spezialität „Winterzauber“ ist richtig lecker. So verschwandt ganz schnell ein Brötchen nach dem anderen.

Hierdurch gestärkt traten wir gegen Mittag wieder die Heimfahrt an und waren alle froh, einen solch abwechslungsreichen Ausflug unternommen zu haben.

  

von Tom Jansen 7c